
Hi, שלום, Hallo! – Was soll diese Seite?
Als ich im heißen Sommer 2023 einen Monat in Jerusalem verbrachte, wohnte ich in Rechavia, nahe der Aza-Straße – mitten im Zentrum der Proteste gegen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, seine Regierung und die Justizreform. Um mehr darüber und die unterschiedlichen Standpunkte innerhalb der israelischen Gesellschaft zu erfahren, begann ich, die Aufkleber und Graffiti zu lesen, welche die Protestierenden und Gegenprotestierenden im Zuge der Demonstrationen hinterließen. Daraus entstand ein kleines Photoheft mit Übersetzungen.
Ein Jahr und eine Epoche später kehrte ich im Sommer 2024 zurück und eine Freundin sagte mir am gleichen Ort: „Du hast doch letztes Jahr die Protestaufkleber photographiert – da wirst du dieses Jahr viel zu tun haben!“ Wie Recht sie hatte merkte ich so richtig bei einem erneuten Aufenthalt im Februar/ März 2025, als ich wöchentlich neue Motive entdeckte und meine Photosammlung in die Hunderte stieg.
Schon im Sommer 2024 überlegte ich, wie ich dieser Sammlung Herr werden könne, denn ein Photobuch schien immer weniger machbar. Vor allem wollte ich die Motive und Slogans zugänglich machen, anderen einfach zeigen können, denn sie verdeutlichen sehr anschaulich, wie divers die Positionen allein schon innerhalb der israelischen Gesellschaft sind.
Schlüsselmoment für diese Webseite war ein sonniger Schabbatnachmittag, an welchem ich auf der Aza-Straße einen neuen Aufkleber photographierte und mich zwei Hippiegestalten ansprachen: „Ey, sie photographiert den Aufkleber. – Hey, warum photographierst du den Aufkleber?“ Sie meinten, diese Sammlung sei ein Schatz, der unbedingt veröffentlicht werden sollte. Das war für mich der Start diese Webseite.
Warum mache ich mir diese Arbeit? Zunächst ist es spannend, die Aufkleber und Graffiti zu sammeln und sich mit ihnen zu beschäftigen. Ich lerne nicht nur mehr Hebräisch, sondern auch verschiedene aktivistische Gruppen kennen, unterschiedliche Positionen und bekomme breite Einblicke in die heterogene israelische Gesellschaft. Durch die Seite schaffe ich mir eine geordnete, leicht zugängliche Sammlung der hunderten Photos. Schließlich ist es auch meine Art von stillem politisch-gesellschaftlichen Aktivismus gegen Israelhass, der immer öfter in Antisemitismus gegen alles, was jüdisch ist oder scheint, umschlägt. Es kann nicht sein, dass eine Bushaltestelle oder ein Laternenpfahl in Jerusalem differenzierter vom Nahostkonflikt zeugt, als Menschen im Westen, die wie Fußballfans „ihre“ „Mannschaft“ anfeuern. Wenn diese Sammlung bei nur einem Menschen das Lagerdenken aufbricht, hat diese Seite auch das weitere Ziel erreicht.
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